Medizinische Fußpflege ist seit Jahren fester Bestandteil medizinischer Empfehlungen und Leitlinien. Wissenschaftliche Studien zeigen eindeutig, dass regelmäßige Fußpflege dazu beitragen kann, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Entwicklung schwerwiegender Fußprobleme zu verhindern. Dennoch wird medizinische Fußpflege in der Versorgungspraxis häufig nicht oder erst sehr spät in Anspruch genommen.
Dieses Spannungsfeld zwischen gut belegter Wirksamkeit und tatsächlicher Nutzung ist kein Einzelfall und kein lokales Phänomen in Freiburg oder in Deutschland. Vielmehr handelt es sich um ein strukturelles Versorgungsproblem, das in unterschiedlichen Ländern und Gesundheitssystemen in ähnlicher Form beschrieben wird. Eine systematische Übersichtsarbeit von McPherson, Carroll und Stewart (2022) liefert hierzu eine fundierte Analyse und zeigt, warum präventive Fußpflege viele Menschen nicht erreicht.
Was die Wissenschaft über Zugangsbarrieren zur Fußpflege zeigt
Die Übersichtsarbeit von McPherson wertete 20 internationale Originalstudien aus, die qualitative, quantitative und kombinierte Methoden nutzten. Berücksichtigt wurden sowohl die Perspektiven der Patienten als auch die der Fußpfleger. Trotz unterschiedlicher gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen zeigten sich erstaunlich einheitliche Muster.
Ein zentrales Ergebnis der Veröffentlichung ist, dass der fehlende Zugang zur Fußpflege nur selten auf mangelnde Bereitschaft der Patienten zurückzuführen ist. Viel häufiger spielen Informationsdefizite, eingeschränkte Erreichbarkeit und organisatorische Hürden eine entscheidende Rolle.
Präventive Fußpflege scheitert damit nicht am fehlenden Willen der Patienten, sondern an den Bedingungen, unter denen Versorgung organisiert ist.
Fehlende Information als Ausgangspunkt der Versorgungslücke
Ein besonders häufig beschriebenes Hindernis ist das mangelnde Wissen darüber, wann und warum medizinische Fußpflege sinnvoll ist. Viele Menschen, auch bei uns in Freiburg, nehmen Fußpflege erst dann in Anspruch, wenn bereits Schmerzen, sichtbare Hautveränderungen oder funktionelle Einschränkungen bestehen. Mediziniche Fußpflege als Teil der Gesundheitsvorsorge ist dagegen oft nicht präsent.
Die Übersichtsarbeit von McPherson zeigt, dass dieses Informationsdefizit der erste Schritt in eine spätere Versorgungslücke ist. Wer medizinische Fußpflege nicht als relevant wahrnimmt, sucht sie auch nicht aktiv auf. Damit entstehen Probleme häufig lange bevor sie für die Betroffenen spürbar werden.
Zugang zur Fußpflege ist mehr als ein vorhandenes Angebot
Ein wichtiger wissenschaftlicher Beitrag der Veröffentlichung von McPherson ist die präzise Einordnung des Begriffs „Zugang“. Zugang zur Gesundheitsversorgung und somit der Zugang zur medizinischen Fußpflege bedeutet nicht nur, dass Leistungen existieren. Entscheidend sind auch:
- ob Angebote verständlich kommuniziert werden
- ob sie organisatorisch umsetzbar sind
- ob sie im Alltag tatsächlich erreicht werden können
Die analysierten Studien zeigen, dass selbst vorhandene mobile Fußpflegeangebote wirkungslos bleiben, wenn sie für die Patienten praktisch nicht nutzbar sind. Versorgungslücken entstehen somit nicht erst auf medizinischer Ebene, sondern bereits auf der Ebene der Alltagsrealität.
Mobilität als entscheidender Faktor für präventive Fußpflege
Ein weiterer zentraler Befund betrifft Mobilitätseinschränkungen. Körperliche Einschränkungen, fehlende Transportmöglichkeiten und die Abhängigkeit von Unterstützung durch Angehörige erschweren den regelmäßigen Zugang zur Fußpflege erheblich. In vielen Fällen werden Termine zur Fußpflege verschoben oder ganz aufgegeben, obwohl ein klarer Bedarf besteht.
Besonders relevant ist dabei die Erkenntnis, dass eingeschränkte Mobilität bestehende Informationsdefizite verstärkt. Wenn eine Fußpflegepraxis nicht selbstständig erreicht werden kann und Alternativen nicht bekannt sind, bricht präventive Fußpflege vollständig ab.
Versorgungslücken entstehen schleichend und sind vorhersehbar
Mehrere Studien zeigen, dass sich Fußprobleme während Phasen ohne regelmäßige medizinische Fußpflege schrittweise entwickeln. Kleine Veränderungen bleiben unbeobachtet und verschlechtern sich über längere Zeit. Die Übersichtsarbeit macht deutlich, dass diese Entwicklung kein Zufall ist, sondern vorhersehbar, wenn Information, Zugang und Angebotsstruktur nicht zusammenpassen, was sich aus meiner Erfahrung in der mobilen medizinischen Fußpflege insbesondere bei älteren Menschen sowie bei kognitiv eingeschränkten oder palliativen Patienten in Freiburg ebenfalls bestätigen lässt.
Beobachtungen aus Freiburg als Beispiel eines internationalen Musters
Die in der Übersichtsarbeit von McPherson beschriebenen Mechanismen lassen sich auch in der Praxis gut nachvollziehen. Aus meiner langjährigen Tätigkeit als Fachfußpflegerin im mobilen Bereich zeigt sich, dass viele Menschen über einen längeren Zeitraum keine medizinische Fußpflege erhalten haben, obwohl ein klarer Bedarf besteht. Diese Erfahrungen habe ich im Raum Freiburg gemacht, sie sind jedoch nicht als regionale Besonderheit zu verstehen, sondern als konkrete Ausprägung eines international beschriebenen Versorgungsproblems.
Ein wiederkehrender Punkt in Gesprächen mit meinen neuen Patienten ist nahezu immer die fehlende Kenntnis darüber, dass es mobile Fußpflegeangebote gibt. Viele Menschen gehen davon aus, dass medizinische Fußpflege in Freiburg ausschließlich in einer stationären Praxis möglich ist. Sobald dieser Weg nicht mehr selbstständig bewältigt werden kann, wird Fußpflege häufig vollständig aufgegeben. Genau dieses Zusammenspiel aus
- fehlender Information und
- eingeschränkter Mobilität
beschreibt auch die wissenschaftliche Literatur, unabhängig vom jeweiligen Gesundheitssystem.
Besonders deutlich zeigt sich dieses Muster im ländlichen Raum rund um Freiburg, etwa in Orten wie Kirchzarten, Stegen, Gundelfingen, March, Umkirch oder im Dreisamtal. Hier wird mobile medizinische Fußpflege oft erst dann bekannt, wenn bereits ausgeprägte Fußprobleme bestehen. Die Nachfrage nach mobiler Fußpflege im Raum Freiburg entsteht somit häufig nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus der Notwendigkeit heraus, überhaupt einen Zugang zur präventiven Fußversorgung zu erhalten.
Meine Erfahrung aus der mobilen medizinischen Fußpflege in Freiburg bestätigt damit exemplarisch, was die Forschung auf internationaler Ebene zeigt: Präventive Fußpflege scheitert häufig nicht an mangelnder Bereitschaft der Betroffenen, sondern daran, dass realistische und alltagstaugliche Zugangswege nicht bekannt sind.
Mobile medizinische Fußpflege als sinnvolle Antwort auf bekannte Barrieren
Aus den Ergebnissen der Übersichtsarbeit lassen sich klare Anforderungen an wirksame präventive Fußpflege ableiten. Sie muss niedrigschwellig, erreichbar und verständlich kommuniziert sein. Mobile medizinische Fußpflege im häuslichen Umfeld erfüllt diese Anforderungen, indem sie Versorgung unabhängig von Mobilität und Transport ermöglicht und damit bekannte Zugangsbarrieren reduziert.
Mobile Angebote wie die mobile Fußpflege in Freiburg können dazu beitragen, die Lücke zwischen wissenschaftlicher Empfehlung und tatsächlicher Versorgungspraxis zu schließen. Für viele Betroffene entsteht dadurch erstmals ein realistischer Zugang zu regelmäßiger medizinischer Fußpflege, noch bevor sich kleinere Veränderungen zu größeren Problemen entwickeln. Meine langjährige Tätigkeit in der mobilen Fußpflege in Freiburg bestätigt auch, dass präventive medizinische Fußpflege häufig nicht deshalb ausbleibt, weil sie abgelehnt wird, sondern weil Informationen über bestehende Unterstützungs- und Versorgungsmöglichkeiten fehlen.
Eine stärkere Einbindung der mobilen Fußpflege durch die Krankenkassen, sowohl durch gezielte Information der Versicherten als auch durch eine unterstützende Kostenbeteiligung, könnte dazu beitragen, präventive Fußpflege früher und regelmäßiger zugänglich zu machen. Damit würde nicht nur der Zugang zur präventiven Fußpflege verbessert, sondern auch ein nachhaltiger Beitrag zur langfristigen Sicherung der Fußgesundheit geleistet.
Fazit
Die systematische Übersichtsarbeit von McPherson et al. zeigt klar, dass präventive Fußpflege weltweit an ähnlichen Barrieren scheitert. Fehlende Information, eingeschränkte Mobilität und mangelnde Erreichbarkeit wirken zusammen und verhindern, dass präventive Maßnahmen rechtzeitig genutzt werden.
Meine Erfahrungen aus der Praxis bestätigen diese Erkenntnisse exemplarisch. Für Betroffene bedeutet das: Präventive Fußpflege ist dann wirksam, wenn sie verständlich erklärt wird und realistisch erreichbar ist. Für die Versorgung insgesamt zeigt sich, dass Fußpflegeangebote nicht nur vorhanden sein müssen, sondern auch dort ankommen sollten, wo Menschen leben.
Wissenschaftliche Quelle
McPherson, M., Carroll, M., & Stewart, S. (2022).
Patient-perceived and practitioner-perceived barriers to accessing foot care services: A systematic literature review.
Journal of Foot and Ankle Research, 15, 97. Open Access: https://doi.org/10.1186/s13047-022-00597-6
